Historie des Schwerter Senfes

Übersicht:


Die Ursprünge der Schwerter Senfherstellung [Seitenanfang]

Die Wurzeln des Senfbetriebes liegen in Hagen-Hohenlimburg des Jahres 1845. Damals gründete die Handelsfirma Hegelich einen Senfhandel. Dieser wurde in den nächsten Jahren nach Schwerte verlegt. Der Senf wurde seinerzeit noch zerstoßen und als gröbere Paste angeboten. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Stammhaus 1845“ welche noch auf den heutigen Senftöpfchen zu lesen ist. Hegelich betrieben den Senfhandel jedoch nur über zwei Generationen.

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Die Familie Adrian [Seitenanfang]

Am 23. Mai des Jahres 1902 verkaufte Benjamin Hegelich das Senfgeschäft an seinen Stiefsohn Wilhelm Adrian und dessen Ehefrau Pauline Sohlenkamp, deren Eltern eine Spedition mit Kaltblütern betrieben.

Abbildung: Photo des Original-Kaufvertrages zwischen Benjamin Hegelich und Wilhelm Adrian aus dem Jahre 1902. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Kaufvertrag zwischen Hegelich und Adrian

Dieser führte ab dem 1.Juni 1902 die Geschäfte weiter, damals noch in der Moltkestraße, die heute in Friedensstraße umbenannt worden ist. Zum Einstieg in die Senfherstellung mußte Hegelich seinem Nachfolger noch 14 Tage „behülflich“ sein. Kurz nach dem Kauf verlegte Adrian den Betrieb in einen Neubau am heutigen Holzener Weg 19, damals am Rande der Stadt Schwerte. In diesem Jahr wurde auch der erste Nachfolger für die Senffabrikation geboren und ebenfalls Wilhelm getauft.

1923 ist ein neuer Doppelwalzenstuhl zur Zerkleinerung der Senfsaat angeschafft worden, der noch heute in Betrieb ist und 14,4 Mio. Reichsmark gekostet hat. 1925 wurde die Unterkunft der Senfmühle erweitert und Umgebaut, unter Inbetriebnahme einer Transmission, welche anfangs wohl von einem Gasmotor angetrieben wurde. Es wurden von der Familie und den 4 bis 5 Angestellten zwischen 500 und 600 kg Senf am Tage hergestellt. Der Senf wurde je nach Gebindegröße in Gläser, Eimer, oder 15, 30 bis 70 Liter Holzbottiche abgefüllt. Die großen Gebinde wurden in der Regel von den Zwischenhändlern für die Endverbraucher in kleine Gläser portioniert. Zu diesen Tagen lieferten Adrians den Schwerter Senf sowohl mit Pferdekarren, als auch per Lastkraftwagen in einem Umkreis von ca. 150 km persönlich aus. Dies war in der Tatsache begründet, daß der Senf bei Auslieferung bar bezahlt wurde. Um die Störanfälligkeit des Gasmotors zu umgehen, stellten Adrians den Antrieb auf einen Einzylinder-Deutz-Dieselmotor um, welcher besonders an kalten Tagen nur schwer zu starten war. Eine fest installierte Heizung war weder damals, noch 1999 in der Senfmühle vorzufinden.

Um 1935 wurden die heutigen Senfmahlgänge angeschafft. Damals, laut Werbeprospekt die modernste Senfanlage der Welt.

Schwarz-Weiss-Photo des Firmengründers Wilhelm Adrian

Firmengründer
Wilhelm Adrian

Schwarz-Weiss-Photo der Ehefrau Pauline des Firmengründers Wilhelm Adrian

Pauline Adrian
geb. Sohlenkamp

1939 übergab der erste Wilhelm Adrian die Senffabrik an seinen Sohn. Da dieser jedoch kriegstauglich war und somit von der Wehrmacht eingezogen wurde, mußte der Betrieb von seinem Vater und seiner Frau weitergeführt werden. 1950 wurde die Produktion um einen Mahlgang für besonders scharfen Senf samt Passiermaschinen erweitert.

1960 wurde die Fabrik an den dritten Wilhelm Adrian vermacht. Ein wenig später kam der Inhaber der Senfmühle Carl Grevener in Witten auf Adrian zu und vermachte ihm den Kundenstamm und die Wittener Mühle, wie es von dem zweiten Wilhelm mit ihm verabredet wurde. Die zunehmende Industrialisierung der Senfherstellung und die aufkommenden Handelsketten ließen viele „Tante Emma-Läden“ sterben und so den Senfabsatz der Senffabrik sinken. Obwohl die Senfherstellung in den weiteren Jahren immer mehr zu einem Hobby wurde, betrieb es Wilhelm Adrian für seine treuen Kunden und Freunde neben seiner neuen Arbeit weiter. Hierdurch überlebte die Schwerter Senffabrik die nächsten fast 25 Jahre, ohne das Schicksal vieler anderer zum Teil größerer Senfmühlen zu teilen.

Über vier Jahre versuchte Wilhelm Adrian seine Berufung letztlich an den Nagel zu hängen, doch viele seiner Kunden überredeten ihn stets zum weitermachen. Bis 1999 das endgültige Ende des Schwerter Senfes gekommen sein sollte. Im Alter von 69 Jahren hörte der dritte Adrian in der Adventszeit mit der Senfherstellung auf.

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Der neue Senfmüller [Seitenanfang]

Dies war der Zeitpunkt, an dem Peisert neuen Senf brauchte, jedoch waren bei Adrians keine Senfvorräte mehr vorhanden. „Wenn du Senf brauchst, dann mach´ ihn dir gefälligst selber!“ sagte Adrian damals. Beim ersten Anblick der Mahlgänge war Peisert sofort klar, daß er den Senfmüller beim Wort nehmen wird. So wurde zwischen den Jahren der Kaufvertrag aufgesetzt und unterzeichnet. Da der bisherige Standort der Senfmühle einer anderen Nutzung zukommen sollte, wurden die Mahlgänge nebst Zubehör nach langer Suche an die Ruhrstraße in die Rohrmeisterei verlegt. Nach der Herrichtung der Räumlichkeiten konnte die Produktion im November 2000 wieder anlaufen.

Aussenansicht der Schwerter Senfmühle in der Ruhrstr. 16. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Aussenansicht der
Senfmühle

Wie 1902 war nun Wilhelm Adrian seinen Nachfolgern „behülflich“ und führte diese in die Kunst der Senfherstellung ein. Die ersten drei Mahlungen produzierte Adrian noch selbst, schaute bei den nächsten zwei noch zu. „Jetzt kann ich euch nichts mehr beibringen. Ich habe noch andere Dinge zu tun. Wenn etwas ist, dann ruft an!“ sagte er. Und so kam es. Dennoch beliefert Adrian weiterhin alte Stammkunden mit Schwerter Senf.

Ostern 2002 erfolgte die Verlegung der Senfmühle in den Anbau der Ruhrstr.16. Momentan mahlt die Senfmühle ungefähr einmal in der Woche neuen Schwerter Senf, je nach Bedarf und Nachfrage.

Die Schwerter Senfmühle ist der einzige Senfbetrieb seiner Art, der in Westfalen erhalten geblieben ist und bis auf eine kurze Zeit permanent die würzige Paste hergestellt hat und weiter herstellt. Manchmal geht auch Wilhelm Adrian noch seiner Leidenschaft nach und stellt ein bißchen Schwerter Senf in der Senfmühle her. Meistens meint er dann alles verlernt zu haben, doch die Handgriffe sitzen wie eh und je und der Senf tropft wie früher goldgelb in den Eichenbottich.

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